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Praxisbegleitung - für ein optimiertes Vorgehen

Das Modellprojekt bot die Chance, "über den Tellerrand" der eigenen Praxis zu schauen, kennen zu lernen, welche Vorgehensweisen sich bei andern Trägern bewährt haben, oder zu erfahren, welche Qualifizierungsbausteine an anderen Standorten erfolgreich eingesetzt wurden und übernommen werden können.

Organisationsberatung und Coaching unterstützten die Träger bei der Prozessanalyse und -optimierung. Typische Stolpersteine wurden in der Praxisbegleitung ebenso identifiziert sowie hilfreiche Vorgehensweisen. Verbesserungspotenziale konnten erkannt und in Form von Praxishilfen umgesetzt werden.

Stolpersteine

Schnittstellen.
Die Praxisüberprüfung ergab, dass die Gestaltung des Auftrags oder die Übergabe vom SGB II-Träger an den durchführenden Träger häufig schwierig ist. Sowohl auf Seiten des SGB II-Trägers als auch beim durchführenden Träger gab es wechselnde Ansprechpartner. Der Auftrag bzw. das auf einen Teilnehmenden bezogene Ziel der Maßnahme wurde über den Auftraggeber nicht genau definiert, das Berichtswesen zwischen beiden Seiten war unsystematisch. Nach Abschluss der Maßnahme wurden wichtige Ergebnisse, bezogen auf die Teilnehmenden, nicht kommuniziert oder weiter genutzt.

Dauer und Auslegung der Maßnahme.
Für eine nachhaltige Verbesserung der Integrationschancen der Teilnehmenden, reicht eine befristete Beschäftigung in einer Arbeitsgelegenheit allein nicht aus. Arbeitsgelegenheiten in der GemeinwohlArbeit müssen deshalb eine Auswahl von Einsatzbereichen und –stellen ermöglichen, die den Kompetenzen und dem Förderbedarf der Teilnehmenden entsprechen. Ein abgestimmtes System von Integrationsplanung, Qualifizierung und Integrationsbegleitung, das den Qualitätsstandards der GemeinwohlArbeit entspricht, muss die Maßnahme begleiten. Begleitung bzw. Anleitung der Beschäftigten ist bedarfsgerecht anzubieten.

Hilfreich

  • Wechselseitige Hospitationen (SGBII-Träger Mitarbeitende, Integrationsbegleiter) sind ein gutes Mittel, die gegenseitig Arbeitsweise kennen zu lernen und dauerhaft für "kurze Wege" zwischen den Akteuren zu sorgen.
  • Fallbezogene Absprachen werden dem Einzelfall gerechter, mindern Informationsverluste und helfen, den weiteren Spielraum der gesetzlichen Regelungen zu nutzen.
  • Unverzichtbar für höhere Qualität ist höherer Zeiteinsatz: Kurze Weg entstehen, wenn gute Kontakte im Fördernetzwerk bestehen, Reibungsverluste lassen sich mindern.

Praxishilfen

Arbeitshilfen für die Integrationsbegleitung
Ausgehend von den Qualitätsstandards für die Integrationsbegleitung wurden Arbeitshilfen entwickelt, die eine zielgerichtete und bedarfsgerechte Förderung der Teilnehmenden sicher stellen. Dazu gehören Integrationspläne, eine Muster-Beschäftigungsvereinbarung, Beurteilungsbögen und Zwischen- bzw. Abschlussberichte. Diese Arbeitshilfen sind Bestandteil des Praxishandbuchs GemeinwohlArbeit, das von der Praxisbegleitung bei der Abschlusstagung vorgestellt wurde.

Checkliste Einsatzstellen
Nicht passende Zuweisung auf Einsatzstellen ist durch die Evaluation dieses Modellprojekts als eines der Haupthindernisse für eine angemessene Förderung der SGB II-Kunden beschrieben worden. Im Modellprojekt wurden Wege beschrieben, wie in enger Abstimmung zwischen den Beteiligten des Maßnahmeträgers, des SGB II-Trägers und des potenziellen Teilnehmers an einer Arbeitsgelegenheit eine bedarfsgerechte Auswahl von Einsatzstellen möglich wird.

Anforderungsprofil der Anleitenden
Anleitung in der GemeinwohlArbeit ist in der GemeinwohlArbeit ebenso wichtig wie die Integrationsbegleitung. Die Teilnehmer/innen verbringen viel Zeit gemeinsam mit den Anleitungskräften. Sie sind aus Teilnehmerperspektive oftmals die ersten Ansprechpartner für ihre Belange. Durch den engen Kontakt nehmen die Anleitenden Einblicke in persönliche Problemlagen des Teilnehmenden, können fachliche Defizite und Stärken erkennen und sich ein umfassendes Bild zum Sozial- und Arbeitsverhalten der Teilnehmenden machen.
Ihre Einschätzungen und Erfahrungen stellen sowohl für die Teilnehmenden selber, als auch für die Intergrationsbegleiter/innen eine Basis für die Entwicklung von Perspektiven dar. Anleiter/innen bauen für viele Teilnehmende eine Brücke zum Erwerbsleben. Sie haben für die Teilnehmenden Vorbildcharakter. Ihr fördernder oder auch hemmender Einfluss auf die Motivation und Leistungsbereitschaft der Teilnehmenden ist nicht zu unterschätzen. Um dieser Herausforderung gerecht werden zu können, bedarf es auf Anleiterseite spezifischer Kompetenzen, die im Modellprojekt GemeinwohlArbeit zu einem Anforderungsprofil zusammengestellt wurden. Dies übersteigt rein fachliche Kompetenzen: Neben der intensiven fachlichen Einweisung und fortlaufenden Anleitung ist ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und pädagogischen Fähigkeiten gefragt, was entsprechende Rahmenbedingungen notwendig macht.

Qualifzierungsbausteine mit System.
Qualifizierung in Arbeitsgelegenheiten wird in der GemeinwohlArbeit entsprechend dem Bedarf der Teilnehmenden und den Qualitätsvorstellungen geplant. Durch die Qualifizierung werden die individuellen Kompetenzen und Ressourcen der Teilnehmenden weiterentwickelt. Qualifizierung ist der systematische und geplante Prozess, der die Teilnehmenden dazu befähigt, ein definiertes Qualifizierungsziel zu erreichen. Dabei werden die Oberziele der GemeinwohlArbeit – Erhalt und Stärkung der Beschäftigungsfähigkeit und Erhöhung der Vermittlungschancen – berücksichtigt.
Zum Qualifizierungsprozess gehört die passende Auswahl geeigneter Qualifizierungsmethoden und –ziele.
Es werden unterschiedliche Qualifizierungsinstrumente eingesetzt: von der arbeitsprozessbezogenen Qualifizierung bis hin zum Erwerb zertifizierter Abschlüsse. Arbeitsplatznahe Qualifizierung findet im Rahmen "Qualifizierender Anleitung" statt, andere Instrumente bilden die "Qualifizierung" im engeren Sinne. Je nach Instrument kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz: Anleitung, Kritikgespräch, Übungen, Seminare mit Theorieanteilen etc.
Um einen Lernerfolg bei den Teilnehmenden zu erzielen ist es aus Sicht der Träger wichtig, die Möglichkeiten des gesamten Qualifizierungssystems abgestimmt zu nutzen, also neben der Qualifizierung, wie sie von den SGB II-Trägern verstanden wird (Instrumente 3 – 6), auch die arbeitsplatznahe qualifizierende Anleitung (Instrumente 1 – 3), die gerade bei Geringqualifizierten hohe Lernerfolge verspricht.
Bei der Auswahl der zum Einsatz kommenden Instrumente werden sowohl die individuellen Fähigkeiten und Anforderungen der Teilnehmenden, als auch die finanziellen Möglichkeiten der Träger berücksichtigt. Qualifizierungen finden sowohl im Rahmen interner als auch externer Einsatzstellen statt.

Sechs Bausteine beschreiben im Modellprojekt, was "Qualifizierung mit System" in der Gemeinwohlarbeit bedeutet. Die entwickelten Modelle zeigen auch, dass Qualität einen Preis hat, um den es zu streiten gilt.

Im Modellprojekt wurden 12 Qualifizierungseinheiten für teilnehmende und Anleitungskräfte in der GemeinwohlArbeit entwickelt, die auf einer DVD enthalten sind, die dem Praxishandbuch beigelegt ist.

 

Move Organisationsberatung GbR
Organisationsberatung
Johannes Massolle
Alter Steinweg 46
48151 Münster
Tel.: 02 51 / 440 42
massolle@move-muenster.de
www.move-muenster.de
Das Modellprojekt wurde realisiert mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds

Gefördert durch den 
Europäischen Sozialfonds

Gefördert durch das MAGS NRW

 
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