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INI - Initiative für Jugendhilfe, Bildung & Arbeit e.V.

„Der Anspruch, das Bild von Arbeitsgelegenheiten in der Gesellschaft zu verbessern ist sicher ein langfristiger Prozess. Im Rahmen der Modellprojekts ist es uns aber gelungen, dies in jedem Fall bei unseren Mitarbeitern, auch in anderen Bereichen des Hauses, zu verbessern, dadurch, dass wir das Projekt vorgestellt haben und ein erweitertes Bewusstsein für diese Maßnahmen erzielen konnten.“

Auch Fordern braucht Zeit - Umsetzung von Arbeitsgelegenheiten in Lippstadt und Warstein

"Wenn ich diesen Job nicht hätte, brächte mich der Alkohol um."

Herausgerissen
Stanislaus Ernst ist 19 und hätte in der Ukraine vielleicht einen passablen Schulabschluss hingekriegt. Die Familie lebt vom Arbeitslosengeld II. Als sie nach Deutschland zogen, kam er in der neuen Schule nicht klar, konnte die Sprache kaum und „landete“ in einem Projekt für Schulverweigerer. Dass Stanislaus nach dieser Maßnahme in eine kommunale Arbeitsgelegenheit in Warstein wechseln konnte, verdankt er einer Absprache zwischen der INI e.V. (Initiative für Jugendliche, Bildung und Arbeit) als Träger und Arbeit Hellweg Aktiv, der ARGE im Kreis. Jetzt repariert er Stühle, die der Schreiner im „Schul- und Kindermöbelrecycling“ aus Schulen in der Umgebung mitgebracht hat. Hier werden die unterschiedlichsten Möbel restauriert und gegen eine Materialkostenpauschale wieder an die Schulen ausgeliefert. „Ich würde gerne weiter mit Holzarbeiten“, sagt er. Das Handwerkliche liegt ihm. Und wie geht es in wenigen Wochen weiter, wenn die Arbeitsgelegenheit zu Ende ist? „Ich weiß nicht?“ „Sprachunterricht“ bekommt Stanislaus direkt bei der Arbeit oder „wir nehmen ihn rein in den Förderunterricht der Jugendberufshilfe“, ergänzt Markus Rogozinski, Anleiter in der Holzwerkstatt. „Seine Perspektive liegt in der Kombination – Werkstatt / Holz“, so Rogozinski. Stanislaus erlebt in dieser Werkstatt auch andere Jugendliche und Erwachsene, die in Berufsvorbereitungslehrgängen, Ausbildung oder in anderen Qualifizierungsmaßnahmen für den ersten Arbeitsmarkt ausgebildet werden. So werden auch für ihn Chancen und Möglichkeiten der Arbeitswelt konkret, in der er nach dem „schützenden Bereich“ eine Perspektive bekommen soll.

Buddy oder Kettenhund?
„30 Stunden für 72 Teilnehmer pro Woche – das ist nicht viel Zeit für die sozialpädagogische Begleitung“, sagt Patricia Ben Kahla, pädagogische Betreuerin und Koordinatorin für die kommunalen Arbeitsgelegenheiten. In diesen 30 Stunden soll alles passieren – Falldokumentationen, Kontrollen und möglichst auch intensive persönliche Gespräche. Und am Ende der Maßnahme muss der Beurteilungsbogen für jede/n Teilnehmer/in „stehen“. Für sie ist das wichtigste Ziel, den Menschen bei zahlreichen Alltagsproblemen zur Seite zu stehen: Sie haben nun einmal erhebliche Vermittlungshemmnissen, die Vermittlung auf einen regulären Arbeitsplatz ist da erst einmal zweitrangig. Sie müssen erst wieder Berufs- und Lebensperspektiven entwickeln. „Arbeit“ – das muss für jede/n Einzelne/n neu definiert werden: „Viele meiner Teilnehmer und Teilnehmerinnen werden immer auf subventionierte Angebote angewiesen bleiben“, so Patricia Ben Kahla, „hier ist die Tagesstruktur das wichtigste Ziel.“ Die Betreuerin hält in ihrer Rolle auch Widersprüche aus und fragt sich manchmal, „ob es gut ist, dass ich zugleich Kontrollfunktion habe und Vertrauen herstellen muss, um überhaupt an die Teilnehmer heranzukommen.“ Ist sie „Buddy“ oder Kettenhund? Dies macht die Arbeit nicht immer leicht. Oft ist da am Anfang erst einmal Widerstand: „Für das bisschen Geld komme ich doch nicht den ganzen Tag!“ Dann rechnet sie vor: Grundsicherung plus Miete plus AGH und findet: „Das Bild der so genannten 1 Euro Jobs muss in der Öffentlichkeit dringend verändert werden.“ Bei vielen Einfachjobs verdiene man als Ungelernter auf einem regulären Arbeitsplatz kaum mehr. Und ob eine Arbeitsgelegenheit wirklich „zusätzlich“ ist, werde schließlich von der AHA als zuständiger ARGE streng geprüft, ergänzt Anna Dorn-Pollmann, die Projektleiterin.

Planung am grünen Tisch
Die am grünen Tisch planen und Begriffe prägen, sehen sie die Realität vor Ort? Wissen die politisch Verantwortlichen, was ein gutes „Fallmanagement“ ist? Wie „Brücken in den ersten Arbeitsmarkt“ wirklich konstruiert sein sollten? In vielen Fällen geht es einfach um eine Stabilisierung gegen Sucht, Verwahrlosung und den völligen Rückzug aus einem geregelten Alltag. „Viele fragen uns nach einer Verlängerung der Maßnahme, weil sie es zuhause nicht aushalten“, sagt Marcus Hellermann. Nicht wenige AGH-Teilnehmer und Teilnehmerinnen kennt er noch „von früher“ aus Maßnahmen zur Berufsvorbereitung: „Dann kommen die nach einigen Jahren wieder, haben zwei Kinder, keinen Job, sind verschuldet und haben das Arbeiten verlernt. Und wir fangen wieder von vorne an.“ Auch würden viele lieber in Arbeitsgelegenheiten „kleben“ bleiben als den Sprung ins kalte Wasser „draußen“ zu wagen: „Die sind hier gerade in der Arbeit und im Team angekommen und haben Angst vor unbekannten Leistungsansprüchen auf fremdem Terrain.“ Und wie wird man Einzelne dennoch „los“? Durch gute Betriebskontakte und Praktikumsplätze, weiß Marcus Hellermann. Dann lässt sich manchmal, im Anschluss an eine weiter Maßnahme wie JobPLUS, auch ein Platz in einem Betrieb finden, der gerade einen Engpass hat und dringend Leute sucht. „Das sind meist keine Stellen, die irgendwo ausgeschrieben werden.“

Fördern kommt vor Fordern
Da ist der Analphabet, dem es zu peinlich ist, einen Kurs zu belegen, um endlich sein Handicap loszuwerden. Da sind die acht Jungs im Schulmöbelrecycling, die alle keinen Hauptschulabschluss haben. Da werden Leute zugewiesen, die man nicht in Ruhe aussuchen kann. Fördern? „Viele brauchen eigentlich eine Berufsvorbereitende Maßnahme, einige brauchen einfach länger, um wieder Tritt zu fassen“ – mit dieser Meinung stehen Heinz Nitsch, Ergotherapeut und Anleiter für die „kommunalen Hellweg Jobs“ und Markus Rogozinski, Meister in der Holzwerkstatt beim Recyclingprojekt, nicht alleine da. Im Einzelfall lassen sich Teilnehmer/innen auch mal 12 oder sogar 18 Monate beschäftigen – in unterschiedlichen Maßnahmen. Doch „nach nur sechs Monaten hat kaum einer eine Chance!“ Zwei von 16 haben sie im Schulmöbelrecycling vermitteln können – den einen in eine Lehre, den anderen zu einer Zeitarbeitsfirma. Damit stehen sie gut da. Zufrieden sind sie nicht.

 

INI - Initiative für Jugendhilfe, Bildung & Arbeit e.V.
Andreas Knapp
Anne Dorn-Pollmann
Südstraße 18
59557 Lippstadt
Tel.: 0 29 41 / 75 20
anne.dorn-pollmann@ini.de
www.ini.de

MitarbeiterInnen beim Träger: 80
MitarbeiterInnen Bereich GemeinwohlArbeit: 10
GemeinwohlArbeitsplätze: 153
Aus der Praxis:
"Besonders hervorheben möchten ich die Zuwendung zum Thema Anleitung. Hierfür Qualitätsstandards zu ermitteln, war absolut nötig und ist für die Zukunft sehr dienlich. Die aus dem Projekt hervorgehende Anleiterfortbildung begrüßen wir sehr."
Anne Dorn-Pollmann, INI - Initiative für Jugendhilfe, Bildung & Arbeit e.V.
Das Modellprojekt wurde realisiert mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds

Gefördert durch den 
Europäischen Sozialfonds

Gefördert durch das MAGS NRW

 
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