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SCI Moers gGmbH Gesellschaft für Einrichtungen und Betriebe sozialer Arbeit mbH

"Es gab drei Entwicklungsstufen im Projekt, die wir beim sci in gleicher Weise mitvollziehen konnten: Bewusstmachung und Selbstverständnis in der GemeinwohlArbeit, Erstellung von Handlungsabläufen im Abgleich mit den externen Erfordernissen (SGB II-Träger) sowie Praxiserfahrungen in der Anwendung der Leistungsprozesse (insbesondere des Leistungsprozesses Integrationsbegleitung)."

Das „Hausarztmodell“: Mit systematischer Hilfe und Empathie gegen Ausgrenzung

"Es gibt Männer, die haben keine Mittagsbrote dabei auf der Baustelle, weil das Geld nicht reicht"

Der Anleiter als Sozialpädagoge
Klaus Haßheider macht den Job als Anleiter beim sci seit 17 Jahren. Aber Männer, die kein Mittagsbrot mit zur Baustelle bringen, kannte er bislang nicht. Sein Chef Jörg Marx nennt ihn liebevoll-ironisch „unseren Silberrücken“ und weiß um die Wirkung der menschlichen Qualitäten des gelernten Tiefbauers bei der Arbeitsförderung der GemeinwohlArbeiter. Er ist davon überzeugt: „Ein guter Anleiter wirkt auch als Sozialpädagoge.“ Innerhalb eines Jahres durchlaufen mehr als 100 AGH-Teilnehmer/innen die verschiedenen Arbeitseinsatzstellen beim sci in Moers. Vielen sieht man die Armut an. Vermittlungschancen haben nur die wenigsten. Aber fast alle wollen arbeiten, wollen morgens auf eine Baustelle fahren, mit Kollegen anpacken und reden. Sie sind stolz mit der Arbeitskleidung in die Sparkasse gehen und zeigen zu können: Ich bin wieder wer. „Wir müssen viel stärker sozialarbeiterisch tätig werden, als wir dachten“, sagt Jörg Marx. Sein Ziel ist es, Empathie und systematisches Arbeiten bestmöglich zu verbinden. Die Anleiter haben dabei eine Schlüsselrolle, denn sie sind ganz nah dran. So wie Klaus Haßheider, der lernen musste, dass ein scheinbar schlampiger Teilnehmer auf der Baustelle einfach den Zollstock nicht nutzen konnte: Er war Analphabet.

Hausarztmodell
Das geforderte Kunststück lautet: Viele Menschen mit zum Teil massiven Problemen in relativ kurzen Intervallen – bei den sci-Einsatzstellen sind es 9 bis 12 Monate – „durchschleusen“ zu müssen und dabei passende persönliche und arbeitsmarktverwertbare Hilfen zu geben. „Es muss uns gelingen, einerseits mit standardisierten Vorgaben sehr schnell zu arbeiten, Daten zu erfassen und Förderverläufe zu dokumentieren. Andererseits sollen die Teilnehmer sicher sein können, dass wir auf jeden und jede eingehen. Das heißt, die sozialarbeiterische Betreuung muss so organisiert sein wie bei einem guten Hausarzt: Sie haben vielleicht zehn Minuten – aber eine EDV-gestützte Organisation dahinter. Sie sehen die Ergebnisse des letzten Gesprächs und sind sofort wieder beim Teilnehmer.“ Damit könnte auch die Zusammenarbeit zwischen Integrationsbegleitern und Anleiter/innen weiter verbessert werden, ließen sich individuelle Ziele für Arbeitsmaßnahmen genauer definieren: Oft geht es dabei weniger um technische Fertigkeiten als um soziale Kompetenzen, die beim Spielplatzbau im Team ebenso gefordert sind.

Vermittlung für wenige, Befähigung für viele
„Es gibt hier am Niederrhein kaum einen aufnehmenden Arbeitsmarkt für unsere Teilnehmer“ – mit dieser nüchternen Feststellung weiß sich Jörg Marx in jüngster Zeit nicht mehr als Außenseiter. Es darf wieder nachgedacht werden über die Notwendigkeit eines zweiten Arbeitsmarktes für ausgegrenzte Menschen – und über Anschlusskonzepte für diejenigen (wenigen) Teilnehmer in der GemeinwohlArbeit, denen mit klugen Konzepten zu einem Job auf dem ersten Arbeitsmarkt verholfen werden kann. Für Stephan N, der im Büro des sci im Telefondienst angefangen hat, besteht Hoffnung: Der frühere Call Center Agent hofft auf eine Anschlussstelle, die ihn vom Maßnahmeteilnehmer zum Mitarbeiter (auf Zeit) befördert. In Zukunft sollen geeignete Teilnehmer/innen in ein Modulsystem wechseln können. „EG 30“ heißt das Konzept mit 30 Plätzen in einer sogenannten Entgelt- Maßnahme, finanziert von der ARGE. Anders als bei den früheren ABM-Stellen soll die Begleitung durch einen „Job-Coach“ und eine (als Modul subventionierte) „Probezeit“ bei dem möglichen späteren Arbeitgeber die Vermittlungschancen verbessern.

Kollegen
Stephan N. ist auf dem Weg zum „echten“ Kollegen. Eine erste Urlaubsvertretung wird ihm mehr Verantwortung übertragen, dass er ein äußerst sorgfältiger Sachbearbeiter ist, hat der Chef längst gemerkt. „Noch einen Schritt weiter zu kommen, das würde mich sehr freuen. Dann wäre ich der Kollege und nicht mehr der Mensch in der Maßnahme.“ Die fünf freiwilligen GemeinwohlArbeiter über 58, die für einen Eisenbahnverein eine alte Lok als Museumsmodell restaurieren, würden sich vielleicht auch als Kollegen bezeichnen. Obwohl sie wissen, dass sie keinen Job mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt finden. Sie arbeiten nicht wegen der 1 Euro 50 Mehraufwandsentschädigung, davon ist Jörg Marx überzeugt, sondern weil sie als Kollegen jeden Tag an der Lok arbeiten, die später als ihr Werk öffentlich ausgestellt und in Betrieb genommen wird: „Es kann nicht nur darum gehen, Leute zu beschäftigen um zu sehen, ob sie arbeitswillig sind. Wir setzen lieber auf Selbstverantwortung: Wer will, bekommt unsere Unterstützung. Und sei es, dabei, ein Leben auch ohne eine richtige Erwerbsarbeit zu führen und trotzdem nicht abzustürzen.“

 

SCI Moers gGmbH
Gesellschaft für Einrichtungen und Betriebe sozialer Arbeit mbH
Jörg Marx
Kirschenallee 35
47441 Moers
Tel.: 0 28 41 / 97 29 -12
joerg-marx@sci-moers.de
www.sci-moers.de

MitarbeiterInnen beim Träger: 200
MitarbeiterInnen Bereich GemeinwohlArbeit: 11
GemeinwohlArbeitsplätze: 210
Aus der Praxis:
"Hilfreich für die weitere Arbeit sind alle Ergebnisse der Lösungsgruppen. Für uns sind besonders die Qualitätsstandards für Einsatzstellen von Nutzen. Diese setzen wir im Kontakt mit den Einsatzstellen ein und verbessern so die Arbeitsbedingungen der Teilnehmenden."
Jörg Marx SCI:MOERS gGmbH, Gesellschaft für Einrichtungen und Betriebe sozialer Arbeit mbH
Das Modellprojekt wurde realisiert mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds

Gefördert durch den 
Europäischen Sozialfonds

Gefördert durch das MAGS NRW

 
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