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Diakoniewerk Duisburg GmbH

„Mit der Teilnahme am Modellprojekt Gemeinwohlarbeit wollen wir im Erfahrungsaustausch mit anderen Trägern gemeinsame Qualitätsstandards für die Gemeinwohlarbeit entwickeln. Gemeinwohlarbeit muss eine echte Hilfestellung für die betroffenen Langzeitarbeitslosen sein und eine nachhaltige berufliche Integration und Teilhabe ermöglichen.“

Nicht alle über einen Kamm: Unterschiedliche Angebote für unterschiedliche Zielgruppen

"Dann kann man sich beim großen Diakoniewerk über mich erkundigen. Das ist schon was anderes, als wenn ich mich alleine bewerbe."

„Sie müssen sich bemühen“
Markus Strzoda, gelernter Fleischer geht demnächst „in die Entgeltvariante“, Michael Lachstetter, der vor seiner Arbeitslosigkeit als Teamleiter in der Gebäudereinigung arbeitete, ist „froh, endlich wieder beschäftigt zu sein“ und Klaus Becker hat als gelernter Schreiner auf seiner zweiten Einsatzstelle in der Polsterei dazugelernt, auch wenn er „von 1-Euro-Jobs im Grunde nichts hält.“ Alle drei haben wenig Hoffnung auf einen „richtigen“ Arbeitsplatz, aber die gemeinnützigen Arbeitsgelegenheiten finden sie besser als zuhause „rumzuhängen“ oder erfolglos Bewerbungen zu schreiben. Markus Strzoda, der seine Fähigkeiten als Haustechniker beim Diakoniewerk entdecken konnte, hofft, dass seine Chancen sich weiter verbessern, wenn er sich nach Gemeinwohlarbeit und einer Anschlusszeit in einer befristeten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsmaßnahme (nach § 16 Abs. 3, SGB II) mit dem „großen“ Diakoniewerk als Referenz auf dem ersten Arbeitsmarkt bewirbt.

„Sie müssen sich mehr bemühen, dann finden Sie auch was“ – dieser Bescheid seines ARGE-Betreuers half ihm 2004 wenig bei der (erfolglosen) Stellensuche. Er spornte ihn jedoch an, sich auf eigene Faust und freiwillig eine – passende – Arbeitsgelegenheit zu suchen, bevor sie als „Zwangsinstrument“ eingeführt wurde. Er setzte durch, von der ersten „eintönigen“ Einsatzstelle im städtischen Möbellager ins Diakoniewerk wechseln zu können – genau wie Klaus Becker, der erst in der Polsterei des Diakoniewerkes eine passende „Stelle“ fand. „Die wollten mir sogar das Fahrgeld streichen, um mich am Wechseln zu hindern. Aber das war mir auch egal, ich wollte dahin!“ Seine Hoffnung: Eine Stelle als Verpackungsschreiner in einem Betrieb. Mit den guten Kontakten des Diakoniewerkes glaubt er das zu schaffen.

Neues Konzept für Duisburg
Die drei Männer vergeben „gute Noten“ für ihre jetzigen Einsatzstellen, sind zufrieden mit der Begleitung durch den Träger – und weitgehend resigniert, was ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt in Duisburg betrifft. 30.397 AlgII-Bezieher (Stand August 2006) leben in der Stadt, für 3500 sind Arbeitsgelegenheiten vorgesehen, eine Positivliste bestimmt, welche erlaubt sind.
Bei der Passgenauigkeit von Arbeitsgelegenheiten und Qualifitzierungsmaßnahmen und bei den Strategien zur Verbesserung der Vermittlungschancen besteht Handlungsbedarf.

Das Diakoniewerk GmbH hat sich im Juli 2006 in einem neuen Rahmenvertrag mit der ARGE Duisburg als Träger für die Durchführung von Arbeitsgelegenheiten bei den ansässigen Wohlfahrtsverbänden einem neuen Konzept verpflichtet. „Rahmenvereinbarung nach § 17 Abs. 2 SGB II“ steht auf dem mehr als 30-Seiten-dicken Vertragswerk.
Von den rund 3500 Arbeitsgelegenheiten werden nun 1050 zentral über das Diakoniewerk bei den Wohlfahrtsverbänden besetzt, etwa 2000 vergibt die kommunale Gesellschaft für Beschäftigungsförderung (GfB), die bislang die Koordination aller Arbeitsgelegenheiten übernommen hatte und für weitere 450 Teilnehmer sucht die Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt (SLV) passende Einsatzstellen.
Das neue Konzept sieht vier Module vor: Beschäftigung; Aktivierung zur Überprüfung der Arbeitsmotivation, -fähigkeit und Belastbarkeit; Qualifizierung; und die so genannten „Ü50“ Arbeitsgelegenheiten für Ältere. Die ARGE weist Teilnehmer/innen auf eines der Module und der Einsatzfelder zu, die Entscheidungen lassen sich aber im Einzelfall revidieren.
Die Hoffnung: Unterschiedliche Zielgruppen bekommen jeweils die Unterstützung, die sie brauchen – dazu gehört auch der „Job-Coach“ als eine Art interner Fallmanager für die Teilnehmer/innen während der jeweiligen Maßnahme. Dessen Einsatzintensität soll sich am individuellen Fall orientieren.
Am Ende wird ein „Kompetenzprofil“ erstellt, das mehr (wert) sein soll als ein einfacher Beurteilungsbogen.

Kooperationen
„Mit erheblichen Umstrukturierungen“ seien die Träger in Duisburg seit Juli beschäftigt, erläutert der pädagogische Leiter und stellvertretende Fachbereichsleiter, Michael Richard-Sommer. Als verantwortlicher Träger für die Arbeitsgelegenheiten bei den Wohlfahrtsverbänden kann das Diakoniewerk vom Modellprojekt GemeinwohlArbeit zusätzliche Unterstützung gut gebrauchen:
für die Qualitätsverbesserung der Qualifizierungsmaßnahmen, für die Gestaltung von Bewerbungstrainings und die Professionalisierung der Vermittlungsaktivitäten.
Ein Aufwand, der sich lohnt, obwohl auch im neuen Duisburger Rahmenvertrag nur bescheidene Vermittlungsziele festgelegt wurden? „Ja, die Teilnehmer werden zufriedener, wenn wir es wirklich schaffen, ihre Potenziale zu entdecken, ihnen bei den Bewerbungen zur Seite stehen und immer wieder bei Einzelnen auch eine Integration gelingt.“

Ein Makel aber bleibt: Arbeitsgelegenheiten sind keine Arbeitsplätze. Für Michael Lachstetter, zurzeit als Friedhofshelfer in AGH, heißt das: „Ich habe mich an die Arbeit gewöhnt, ich wollte beschäftigt sein. Aber wohl fühle ich mich nicht, ich möchte ja ganz normal in die Arbeitswelt hinein.“

 

Diakoniewerk Duisburg GmbH
Jobcenter im Diakoniewerk
Michael Richard-Sommer
Beekstraße 45
47051 Duisburg
Tel.: 02 03/ 93 13-600
jobcenter@diakoniewerk
-duisburg.de www.diakoniewerk-duisburg.de

MitarbeiterInnen im Fachbereich: 100
MitarbeiterInnen Bereich GemeinwohlArbeit: 35
GemeinwohlArbeitsplätze: 441
Das Modellprojekt wurde realisiert mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds

Gefördert durch den 
Europäischen Sozialfonds

Gefördert durch das MAGS NRW

 
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