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Helios gGmbH und ASH Sprungbrett e.V.

„Durch die Teilnahme am Modellprojekt erhoffen wir uns unter anderem die Schaffung von anerkannten Standards für die Region.“

Helios, Sprungbrett, Lichtblick & Co – AGH-Konsortium im Erftkreis

"Gut, dass einer da ist, wenn mal was ist."

Sie wollten verbindliche Standards und einheitliche Rahmenbedingungen für die Arbeitsgelegenheiten, ohne ihre Eigenarten aufgeben zu müssen. Unter dieser Voraussetzung beschlossen Ende 2004 die AWO-Tochter Helios gGmbH, der Verein Lichtblick Wesselinger Selbsthilfe gegen Arbeitslosigkeit, und das zum Paritätischen gehörende ASH-Sprungbrett in Bergheim, ein Konsortium zubilden. Eine Kooperative im ländlichen Raum mit 6 Standorten und vielen gemeinsamen Grundüberzeugungen entstand.

Hohe Ansprüche an die Arbeit spiegeln die Vereinsnamen wieder. Ein Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt, ein Lichtblick in Zeiten der Arbeitslosigkeit wollte man sein. Doch die Chancen beispielsweise für Heiner Zier, Zusatzjobber im Wesselinger Möbellager, sind davon weit entfernt. 48 Jahre ist er alt. Immer neue Anläufe auf dem Arbeitsmarkt hat er hinter sich, hat sich in vielen Jobs versucht und durch noch mehr Maßnahmen gehangelt. 120 Stunden gemeinnützige Arbeit verschaffen ihm zurzeit eine Verschnaufpause: ein kleines Einkommen und einen Tagesablauf für die Zeit zwischen acht und dreizehn Uhr. „Besser als zu Hause herum sitzen“, sagt er, der früher einmal im öffentlichen Dienst Gärtner war. Dass es „draußen“ für ihn nichts mehr zu tun gibt, weiß er sehr wohl und schon aus diesem Grund möchte er am liebsten für immer im Möbellager bleiben. „Ich bin hier endlich mal angekommen. Die Arbeit gefällt mir, ich will hier nicht weg.“ Denn, wenn was ist, sind hier Anleiter und Sozialarbeiter immer ansprechbar. „Und es kann ja immer was sein!“

Bestandsaufnahme, Beratung, Begleitung
Intensives soziales Coaching gehört zum Standard in fast jedem Einzelfall – dies ist Grundüberzeugung aller Träger im AGHKonsortium. „Darüber haben wir uns von Anfang an verständigt, haben uns ausgetauscht, was wir da machen und wie wir es machen und wussten darum bald, wie sehr wir uns von anderen Einsatzstellen unterscheiden“, so fasst Projektleiterin Veronika Neumann von der Helios gGmbH das Ergebnis der ersten Bestandsaufnahme zusammen. Zeit und Beharrlichkeit, die eingesetzt werden, machen den Unterschied zu anderen und die Qualität der Betreuung aus. Ist ein Zusatzjobber morgens nicht angekommen, geht man hin, fragt nach und bleibt dran – Sozialarbeit eben. Es geht nicht ohne. Sechs Monate Zusatzjob plus Verlängerung ist für die meisten das Minimum, um wieder Anschluss zu finden. „Gerade die Unter- 25jährigen bringen häufig verschiedenste, vermittlungshemmende Problematiken mit zum Erstgespräch. Erst außerhalb unseres eigentlichen Aufgabenbereiches liegende begleitenden Hilfen durch unsere Mitarbeiter sind oftmals Voraussetzung für eine Integration in eine AGH und den sich wiederum daraus ergebenden positiven Erfahrungen und Möglichkeiten für den Teilnehmer “, sagt René Schmalkoke, AGH-Projektkoordinator für die Standorte Wesseling, Brühl und Hürth. Wohnungsfragen, Haushaltsführung, Bewerbung, Arbeitssuche, Schulden, Suchtprobleme – erst im engen Kontakt zwischen Teilnehmer und Träger zeigt sich, wo die eigentlichen Stolpersteine auf dem Weg in Beschäftigung liegen. „Die wenigsten scheiden aus dem Job aus, weil die fachliche Fähigkeiten fehlen, sondern weil sie in die Betriebsstruktur und den Arbeitsablauf nicht richtig reinkommen.“, sagt Harald Bürdek vom ASHSprungbrett, dem Träger mit drei Niederlassungen im nördlichen Rhein-Erft-Kreis. „Es geht um Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Belastbarkeit“. Gebraucht werden vielfältige Einsatzstellen: für die unterschiedlichen Teilnehmer. Möglichkeiten der Inhouse-Erprobung, in den eigenen Werkstätten, im Möbellager oder in der Grünpflegetruppe ebenso wie externe Arbeitseinsätze bei anderen Trägern. Kontakt und Coaching im Arbeitsalltag sind in jedem Fall Voraussetzung für einen vernünftigen Hilfeplan. „Erst durch genaues Hinsehen kann ein Weg aus der Problemspirale gefunden werden.“, sagt Sozialpädagogin Daniela Büscher-Jonas, die im Lichtblick-Team in Wesseling AGH-Kräfte betreut. Sie nimmt Rücksprache mit den Einsatzstellen, hilft bei Ämtergängen, Mietschulden oder Suchtproblemen – stärkt den Teilnehmern den Rücken.

AGH-Modell in Bewegung
Flexibel müssen die Träger des Erftkreis-Konsortiums auch bei der Durchführung der sechsmonatigen Probestrecke sein. Denn nur zwei Jahre nach dem Start des AGH-Programms, scheint sich die Politik rund um die Zusatzjobs zu ändern. Die Träger spüren es vor allem an der Motivation. „Anfangs hatten wir 100 % Freiwillige und die Zufriedenheit war hoch“, sagt Harald Bürdek vom Sprungbrett Bergheim. Heute ist das anders. Vom Förderinstrument wurden die AGHs zum Mittel der Überprüfung, ob jemand arbeiten will oder nicht. Umso wichtiger ist jetzt und für zukünftige Verhandlungen, ein klares Bild von den Teilnehmenden zu vermitteln. Und ein klares Konzept vorzustellen, unter welchen Bedingungen die Zusatzjobs auch Chance sein können. Der Austausch im AGHKonsortium hilft auch dabei, den Spielraum der zuweisenden ARGEn kennen zu lernen. Bewilligung, Ankündigung und Ablauf der Maßnahme wird an jedem Standort bislang unterschiedlich geregelt. „Ein Handbuch Arbeitsgelegenheiten wäre da eine gute Perspektive“, sagt René Schmalkoke. „in welchem alle Beteiligten Grundsätze, einheitliche Standards, Vorgehens- und Verfahrensweisen in Bezug auf die Ein- und Durchführung von Arbeitsgelegenheiten wiederfinden – ein qualitätssichernder Leitfaden.“

 

Helios gGmbH
Rene Schmalkoke
Hamburger Straße 8
50321 Brühl
Tel.: 0 22 32 / 56 97 70
schmalkoke@helios-rheinland.de
www.awo-rheinland.de

MitarbeiterInnen beim Träger: 40
MitarbeiterInnen Bereich GemeinwohlArbeit: 15
GemeinwohlArbeitsplätze: 235
ASH Sprungbrett e.V.
Guido Wollenberg
Glescher Straße 2
50126 Bergheim
Tel.: 0 22 71 / 83 98 -0
g.wollenberg@ash-sprungbrett.de
www.ash-sprungbrett.de

MitarbeiterInnen beim Träger: 40
MitarbeiterInnen Bereich GemeinwohlArbeit: 8
GemeinwohlArbeitsplätze: 146
Das Modellprojekt wurde realisiert mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds

Gefördert durch den 
Europäischen Sozialfonds

Gefördert durch das MAGS NRW

 
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